Tuesday, 10 March 2020 / Nicole / Wie wichtig ist Anekennung?

Heute möchte ich zuerst allen KollegInnen in der Kinder -und Jugendarbeit Anerkennung zollen. Es ist ein schwieriges Feld in dem wir arbeiten, vor allem psychisch sehr anspruchsvoll. Leider finden wir in unserer Arbeit sehr selten Anerkennung. Sie kommt weder vom Chef und meist auch nicht von den Kollegen. Eher herrscht eine Stimmung des Wettkampfs, "Wer macht die beste Arbeit, die besten Projekte etc."

Natürlich kann die Anerkennung auch nicht von den Jugendlichen kommen. Sie können nicht wirklich sehen und verstehen was wir tun. Meistens auch die Eltern nicht. Die Vorgesetzten bekommt selten mit, was wir machen.  Sie lesen  vielleicht in der Tagesdoku, dass wir ein gutes Gespräch mit einem Jugendlichen hatten. Für sie ist das selbstverständlich, dass wir das tun.Sie ahnen oft nicht, wie viel Vorarbeit wir leisten mussten, um die richtigen Worte und Vorgehensweisen zu  finden. Von ihnen  kommt also auch kein Lob und Erfolgserlebnisse lassen oft lange auf sich warten. Jahre später könnte man dann sehen, dass unsere Arbeit doch recht erfolgreich war und  geholfen hat, den Jugendlichen auf einen guten Weg zu bringen.

Interessanter Weise kommt manches mal, die Anerkennung von außerhalb. Berufsferne Leute, Freunde und Bekannte sind oft beeindruckt, wenn ich erzähle was ich mache. Die finden dann, ein "Wow! Ist ja toll und wichtig was du tust."

Wir sehen also, wie schwierig es in unserem Beruf ist, positive Rückmeldungen zu bekommen. Dabei ist nicht zuletzt fehlende Anerkennung, ein Faktor für Burnout. In einem Vortrag sagte der Psychologe Rafael Bonelli, dass es oft nicht einfach ist, die Sachlichkeit zu behalten und nicht in eine "Ichhaftigkeit" zu verfallen. D.h. nicht aus den Augen zu verlieren, dass es nicht um mich selbst, sondern um die Dinge die passieren, also um die Sache an sich geht. Jugendliche tun das oft. Egal worum es geht, sie kommen immer auf sich zu sprechen und beziehen alles was geäußert wird, oder was passiert, auf sich. Davon sind auch wir nicht ganz frei, wenn wir unseren Wert nicht kennen und uns Bewusst machen, was wir alles leisten.

Ich habe mir gedacht, dass es vielleicht wichtig ist, sich selbst Anerkennung zu geben, um nicht so Abhängig vom Urteil Anderer (Chef, KollegInnen etc.) zu sein. Natürlich wäre es gut, wenn sie von ihnen käme. Also fangen wir am Besten an, Andere zu wertschätzen. Vielleicht ändert sich dann etwas. Bewusst den Blick auf das Positive lenken, sehen was die KollegInnen, der Chef, die Chefin, die Eltern oder auch die Jugendlichen gut machen. Das ist wichtig. Man sollte viel öfter ein Lob aussprechen und ruhig auch sich selber mal loben.

Lasst uns das doch mal im Team einführen. Alle sagen sich, was sie am Anderen wertschätzen. Wir sitzen ja alle im selben Boot und haben keinen Grund, uns als Konkurrenten zu behandeln. Alle wollen wir Anderen helfen. Vielleicht könnten wir die Burnoutrate senken, wenn wir so ein positives Umfeld schaffen. Eine Atmosphäre im Team, wo man offen sprechen  und auch Fehler und Schwächen thematisieren kann, ohne dafür verurteilt oder erniedrigt zu werden, das wäre sicher sehr hilfreich.

Also in diesem Sinne, lasst es uns angehen. Eine Teamarbeit, wo sich Jederauch als ein Teil des Teams versteht, wo Solidarität herrscht, statt Kompetenzgerangel. So könnten wir gemeinsam  eine positive Atmosphäre für alle Beteiligten schaffen.